Hundert Jahre vor dem Erscheinen unserer Sonderausgabe sassen 600 Millionen Menschen vor dem TV und verfolgten die Mondlandung von Apollo 11, wie Neil Armstrong seinen Fuß in den Mondstaub setzte und den Satz sprach: Ein kleiner Schritt für mich, ein grosser Sprung für die Menschheit. Das Diktum verankerte sich im kollektiven Gedächtnis und wurde zum Mantra des Fortschritts für eine Menschheit, die mit ihrer Technologie alle Hürden überwindet.
Heute sind die großen Sprünge vorbei. Wir liegen am Boden, rappeln uns unsicher hoch und wissen nicht, in welche Richtung ein nächster, kleiner Schritt führen soll. Vermutlich hätten wir uns besser Buzz Aldrins Einschätzung des Ereignisses gemerkt: Armstrongs Kollege sprach von „Magnificent desolation“, einer großartigen Trostlosigkeit, als er den Mond betrat.
Vor einigen Monaten wurde die Erde von einer Serie außergewöhnlich starker Sonneneruptionen getroffen, die unter der Sammelbezeichnung Corona-Flare X45 zusammengefasst werden. Es ist, als sei in diesen Tagen der Schalter der Moderne umgelegt worden.
Alles hat sich verändert. Auch die Art, wie wir über die Ereignisse informieren können. Liveberichte sind nicht mehr möglich. Es gibt kaum gesicherte Daten, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen. Wir sind auf Momentaufnahmen und Augenzeugen angewiesen, auf Schilderungen, die uns Wochen nach den Vorfällen erreichen. Ereignisse und Berichterstattung klaffen zeitlich stark auseinander, wir treten in ein asynchrones und fragmentiertes Zeitalter ein.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit dieser Sonderausgabe eine Chronologie der Ereignisse zusammenzustellen, soweit sie uns bekannt sind. Es ist ungewiss, ob wir weitere Ausgaben produzieren können – unsere Mitarbeitenden kämpfen ums tägliche Überleben, die Vorräte von Papier und Druckerschwärze gehen zur Neige.
Was auch kommen mag, geschätzte Leser und Leserinnen: Wir bleiben dran.
Geben wir alle unser Bestes!
Hinweis: Digitalisat Sonderausgabe Global Data Hearald 13-09-2069